Rezension des Monats April 2021

Hettche, Thomas Herzfaden

Kiepenheuer&Witsch (10.09.2020), 288 Seiten, fest geb.,ISBN 978-3-462-05256-5

ca. 24,00 €
Systematik: SL

Ein zwölfjähriges Mädchen besucht mit seinem Vater die Vorstellung der Augsburger Puppenkiste.
Sie schlüpft danach durch eine geheime Tür, die den Weg in einen verzauberten Dachboden frei gibt.

Rezension

Hier trifft sie die verstorbene Hannelore Oemichen, genannt Hatü, die zusammen mit ihrem Vater nach dem 2.Weltkrieg
die Augsburger Puppenkiste gegründet hat.
Inmitten all der von der Decke hängenden Marionetten, die Hatü geschnitzt hat, erzählt sie dem Mädchen von ihren Erinnerungen
an die letzten Kriegs- dann die Aufbaujahre im zerstörten Deutschland,von den Träumen und Hoffnungen der jungen Generation, den schwierigen Auseinandersetzungen mit der Schuld der Deutschen an den Kriegsverbrechen und von der Gründung des Marionettentheaters vor diesem zeitgeschichtlichen Hintergrund.

Unterdessen entführen die lebendig gewordenen Marionetten das Mädchen in eine Märchenwelt, in der Jim Knopf, das Urmel, Kasper und andere zeigen, dass das Land der Phantasie und der Träume wichtig ist, um die Realität zu verstehen.
“Es lebe die Kunst” könnte man nach dem Lesen dieses Buches sagen.
In diesem Sinne ist es ein wichtiges Buch, gerade in der Corona-Zeit, in der wir sie so schmerzlich vermissen . . . !

Rezension von Brigitte Fuchs

Rezension des Monats März 2021

Arenz, Ewald  Alte Sorten
DuMont Verlag (18. März 2019), 256 Seiten, fest geb., ISBN 978-3832165307
ca. 10,00 €
Systematik: SL

Sally und Liss: zwei Frauen, wie sie unterschiedlicher nicht sein können, begegnen sich zufällig.
Von Anfang an spüren sie eine seltsame Verbundenheit. „Alte Sorten“ ist ein Roman der den Blick auf das Wesentliche lenkt.

Rezension

Liss ist eine starke, verschlossene Frau, die die Arbeiten, die auf ihrem Hof anfallen, problemlos zu meistern scheint.
Sally, kurz vor dem Abitur, will einfach in Ruhe gelassen werden. Sie hasst so ziemlich alles: Angebote, Vorschriften, Regeln, Fragen….und Sally stellt fest,
dass Liss anders ist als andere Erwachsene.
Sally bleibt mehrere Wochen bei Liss auf dem Hof, und während sie zusammen arbeiten, ernten kommen sich die beiden Frauen näher
und erfahren nach und nach von den Verletzungen, die ihnen zugefügt wurden.

Rezension von Grete Fechler

Rezension des Monats Februar 2021

Owens, Delia   Der Gesang der Flusskrebse
hanserblau (2019), 459 Seiten, fest geb., ISBN 978-3-446-26419-9,
ca. 22,00 €
Systematik: SL

Delia Owen versteht es mit ihren Worten Bilder zu malen,
Emotionen wie Einsamkeit, Angst, Neugierde und Liebe erscheinen dem Leser wie die eigenen.

Rezension

1952, North Carolina, eine Zeit in der Rassismus zur Normalität gehört.

Kaya, das Marschmädchen genannt, wird im Alter von 7 Jahren von ihrer Familie verlassen und ist auf sich alleine gestellt. Sie lebt in der Marsch, einer Landschaft vom Tidenhub des Meeres beherrscht. Sie lernt sich zu ernähren, ein wenig Geld kann sie mit dem Verkauf von Muscheln verdienen.

Die Menschen der nahegelegenen Stadt wissen um ihr Alleinsein, aber in deren Augen handelt es sich bei den Bewohnern der Marsch um Lumpenpack, wie die Schwarzen werden auch sie diskriminiert.-

Die wenigen sozialen Kontakte zu anderen Menschen beschränken sich auf Jumpin`, der die Bootstankstelle betreibt, und Tate, einem Freund ihres Bruders. Tate erkennt, dass Kaya Hilfe braucht und bringt ihr das Lesen und Schreiben bei.
Kaya sammelt alles was sie in der Marsch findet und kann nun endlich die Fundstücke nicht nur mit schönen Zeichnungen sondern auch mit Text beschreiben.

Abwechselnd wird in den Kapiteln vom Heranwachsen Kay´s (ab 1952) und die Untersuchung des Todes von Chase Andrews (1969) erzählt.

. . . es gipfelt in einem spannenden Gerichtsdrama!

Rezension von Ulrike Moser