Buchvorstellung des Monats Oktober 2021

Daniela Krien Der Brand

Diogenes (28.07.2021)
272 Seiten, Hardcover Leinen
ISBN 978-3-257-07048-4

ca. 22,00 €
Systematik: SL

Rahel und Peter sind seit fast 30 Jahren verheiratet. Sie sind angekommen, in ihrem Leben, sie schätzen und achten einander, haben zwei Kinder großgezogen.

Rezension

Erst leise und unbemerkt, dann offensichtlich, hat sich die Liebe aus ihrer Ehe verabschiedet.
Drei Wochen auf einem Bauernhof in der Uckermark sollen weisen, ob es für sie noch einen gemeinsamen Weg gibt.
Berührend nimmt uns Daniela Krien mit in eine Ehe, in der alles auf dem Spiel steht.
Wie auch in ihrem ersten Roman “Die Liebe im Ernstfall” zeichnet sie ihre Figuren so, dass wir an ihrer Seite stehen, mit ihnen fühlen und uns freuen, dass . . . .
Aber lesen Sie selbst!

Gelesen von Brigitte Fuchs

Rezension des Monats September 2021

Ewald Arenz Der große Sommer

Dumont-Buchverlag (26.03.2021)
320 Seiten, fest geb.,
ISBN 978-3-8321-7077-6

ca. 15,00 €
Systematik: SL

Die Zeichen auf einen entspannten Sommer stehen schlecht für den 16jährigen Frieder:
Nachprüfungen in Mathe und Latein.

Rezension

Damit fällt der Famileinurlaub für ihn aus.

Ausgerechnet beim strengen Großvater muss er lernen. Doch zum Glück gibt es seine Schwester Alma,
seinen Freund Johann und das Mädchen im flaschengrünen Badeanzug.
In diesen Wochen erlebt Frieder alles, was zum Leben gehört:
Freundschaft, Angst, Vertrauen, Liebe, Tod.
Dieser Roman besticht durch seine Figuren.
Herausragend in seiner Persönlichkeit: Der Großvater, streng und unnahbar und doch wichtig für Frieder.

Interessant sind die immer neuen Wendungen in der Geschichte. Kaum meint man die Personen zu kennen,
wird man überrascht wie sie sich verändern. So entsteht Spannung. Das Ende ist nicht vorhersehbar.

Ein großer Sommer – ein großes Buch!

Rezension von Brigitte Fuchs

Rezension des Monats August 2021

T. C. Boyle  Sprich mit mir

Carl Hanser Verlag, München 2021
352 Seiten, fest geb.,
ISBN 978-3-44626-915-6

ca. 25,00 €
Systematik: SL

Es ist ein wissenschaftliches Forschungsprogramm, für das der junge Professor Guy Schermerhorn ausgewählt wurde.
Haben Tiere,speziell Schimpansen, einen Geist? Können wir mit ihnen kommunizieren? Und wenn ja, wie? Er will es beweisen.

Rezension

Um Forschungsgelder zu erhalten, tritt er mit Sam, einem zweijährigen Primaten in TV- Shows auf. Hier kommuniziert er mit ihm in Gebärdensprache. Sam wächst kurz nach seiner Geburt im Haushalt des Professors auf und wird dort wie ein Kleinkind behandelt.

Aufmerksam geworden durch eine Anzeige an der Uni, bewirbt sich Aimee als studentische Hilfskraft zur Unterstützung des Projektes.
Sie wird auf Anhieb von Sam akzeptiert und geliebt. Auch sie ist von ihm begeistert. Was anfangs nur als Aushilfe gedacht war, wird nun zum neuen Lebensinhalt Aimees. Es verändert nicht nur ihr Leben, sondern auch ihr ganzes Wesen. Sie verwandelt sich von einer schüchternen, menschenscheuen zu einer willensstarken und entschlossenen Person. Sie gibt für diese Arbeit und die Beziehung zu Sam und Guy ihr Studium auf.

Als jedoch die Stimmung umschlägt und die wissenschaftlichen Skeptiker immer lauter werden, ist das Projekt in Gefahr. Forschungsgelder werden gestrichen und Sam soll nun zu anderen Tierexperimenten verwendet werden. Für Aimee unfassbar und nicht vorstellbar. Da Guy, ihr Geliebter zu unentschlossen ist und seine Vision scheinbar aufgegeben hat, schmiedet sie zur Rettung Sams einen Plan. Sie nimmt das Ruder in die Hand und wächst über sich hinaus. Aber das Ruder gleitet ihr immer mehr aus den Händen…

Mich hat auch diesmal das neue Buch von T. C. Boyle nicht enttäuscht – eine Spannung, die sich ganz allmählich aufbaut und dann mächtig an Fahrt gewinnt. Der Roman wird wechselnd aus der Perspektive des Schimpansen und Aimees erzählt, sodass uns Sam als Tier menschlich immer näher kommt. Umso schlimmer empfand ich es, dass Sam dann wieder “nur” zum Tier wurde, als er nicht mehr gebraucht wurde.
Aber dann ließ sich das Rad nicht mehr zurück drehen…

Ein tolles Buch, das zum Diskutieren einlädt- über unseren Umgang mit der Natur und unserem Wunsch alles nach menschlichen Maßstäben zu beurteilen.

Rezension von Ulrike Albert

Rezension des Monats Juli 2021

Padwarthan, Rieke  Forschungsgruppe Erbsensuppe
oder wie wir Omas großem Geheimnis auf die Spur kamen

Knesebeck GmbH & Co Verlag KG (20.03.2019),
144 Seiten mit 25 schwarz-weiß-Abbildungen, fest geb.,
ISBN 978-3-95728-023-7

ca. 13,00 €
Systematik: Ju2

Gewinner des Deutschen Jugendliterturpreises 2020 in der Kategorie “Neue Talente”

Nils und Evi gehen in die 3.Klasse. Sie würden gerne in die Bande “Die 22 Fragezeichen” aufgenommen werden, doch da haben sie keine Chance.
Nils ist zu schüchtern und Evi zu forsch, und so kommt es, dass Evi eine eigene Bande mit Nils gründen will.

Rezension

Aber welche Aufgabe soll diese haben? Eine Detektivbande braucht schließlich einen Fall zum Lösen, den haben sie aber nicht . . .

Da kommt eine neue Schülerin in ihre Klasse. Lina ist ein syrisches Mädchen, das mit seinem Vater vor dem Krieg geflohen ist, ihre Mutter ist in Syrien geblieben und sie hat keinen Kontakt zu ihr.

Nils und Evi beschließen: Lina muss integriert werden – das ist nun die Aufgabe ihrer Bande!

Schnell stellt sich jedoch heraus, dass Lina schon sehr gut die deutsche Sprache spricht und in ihrer Heimat einer Detektivbande angehörte.

Trotz ihrer Unterschiedlichkeit entwickelt sich eine Freundschaft.
Sie treffen sich nach der Schule zum Essen und Hausaufgaben machen bei Nils´ Oma und Opa.
Als es dort zu unerklärlichen Hamsterkäufen von Erbsensuppe in der Dose kommt und Oma immer seltsamer wird, erwacht der Spürsinn der drei.
Die Detektivbande beginnt zu ermitteln!

Den Hintergrund der Geschichte bilden die schwierigen Themen Flucht und Vertreibung. Unkompliziert werden diese aufgearbeitet.
Die Geschichte zeigt wie Integration ganz selbstverständlich funktionieren kann.

Der Text ist verständlich geschrieben und so ist diese Geschichte für Leser ab 8 Jahre geeignet.

Rezension von Ulrike Moser

Rezension des Monats Juni 2021

Zeh, Juli  Über Menschen

Luchterhand Literaturvlg. (22.03.2021), 416 Seiten, fest geb.,
ISBN 9783630876672

ca. 22,00 €
Systematik: SL

Mitten im ersten Lockdown im Frühjahr 2020 verlässt Dora Berlin und zieht auf´s Land in ein kleines Dorf im brandenburgischen Niemandsland.

Rezension

Dort will sie Ruhe finden vor einem stressigen Job, dem übereifrigen Freund, dazu den Problemen mit Donald Trump, dem Brexit und Rechtspopulismus.
Nun sitzt sie hier in einem alten Haus auf einem verwüsteten Grundstück, mit einem kahl rasierten Nachbarn hinter der Gartenmauer,
der sämtlichen Vorurteilen zu entsprechen scheint.
Doch dann passieren Dinge, die ihr Weltbild in´s Wanken bringen . . .

Ganz aktuell in der Corona-Zeit angesiedelt hat mich dieses Buch von Anfang an gepackt.
Es zeigt wie sehr wir oft von Vorurteilen geprägt sind, die sich beim näheren Hinsehen in Luft auflösen.

Rezension von Brigitte Fuchs

Rezension des Monats Mai 2021

Maar, Paul  Wie alles kam

S. Fischer (26.08.2020), 304 Seiten, fest geb.,ISBN 978-3-10-397038-8

ca. 22,00 €
Systematik: SL

Der Sams – Erfinder erzählt den Roman seiner Kindheit.

Rezension

Paul Maar erinnert sich an den frühen Tod seiner Mutter, dem viele Jahre im Krieg verschwundenen Vater,
die neue Mutter, er erinnert sich an das Paradies bei den Großeltern und die unbarmherzige Strenge seines Vaters in den Wirtschaftswunderjahren.

Es sind zugleich Freundschaftsgeschichten, ein Vater-Sohn-Roman und eine Liebeserklärung an seine Frau Nele.
Trotz allem ist es eine Feier der Lebensfreude, die er seinem Leben abtrotzen musste.
Paul Maar beschreibt in seinen bewegenden Erinnerungen das womit er sich auskennt wie kein Zweiter, die innere Insel,
auf die sich viele Kinder zurückziehen.

Wer dieses Buch gelesen hat, weiß, warum Paul Maar das „Sams“ erfinden musste.

Für mich war dieses Buch mit vielen eigenen Erinnerungen verknüpft, da ich als kleines Mädchen oft Ferien in Schweinfurt machte,
meine Großeltern wohnten dort und Paul Maar ist dort geboren.

Rezension von Ilse Rübel

Rezension des Monats April 2021

Hettche, Thomas Herzfaden

Kiepenheuer&Witsch (10.09.2020), 288 Seiten, fest geb.,ISBN 978-3-462-05256-5

ca. 24,00 €
Systematik: SL

Ein zwölfjähriges Mädchen besucht mit seinem Vater die Vorstellung der Augsburger Puppenkiste.
Sie schlüpft danach durch eine geheime Tür, die den Weg in einen verzauberten Dachboden frei gibt.

Rezension

Hier trifft sie die verstorbene Hannelore Oemichen, genannt Hatü, die zusammen mit ihrem Vater nach dem 2.Weltkrieg
die Augsburger Puppenkiste gegründet hat.
Inmitten all der von der Decke hängenden Marionetten, die Hatü geschnitzt hat, erzählt sie dem Mädchen von ihren Erinnerungen
an die letzten Kriegs- dann die Aufbaujahre im zerstörten Deutschland,von den Träumen und Hoffnungen der jungen Generation, den schwierigen Auseinandersetzungen mit der Schuld der Deutschen an den Kriegsverbrechen und von der Gründung des Marionettentheaters vor diesem zeitgeschichtlichen Hintergrund.

Unterdessen entführen die lebendig gewordenen Marionetten das Mädchen in eine Märchenwelt, in der Jim Knopf, das Urmel, Kasper und andere zeigen, dass das Land der Phantasie und der Träume wichtig ist, um die Realität zu verstehen.
“Es lebe die Kunst” könnte man nach dem Lesen dieses Buches sagen.
In diesem Sinne ist es ein wichtiges Buch, gerade in der Corona-Zeit, in der wir sie so schmerzlich vermissen . . . !

Rezension von Brigitte Fuchs

Rezension des Monats März 2021

Arenz, Ewald  Alte Sorten
DuMont Verlag (18. März 2019), 256 Seiten, fest geb., ISBN 978-3832165307
ca. 10,00 €
Systematik: SL

Sally und Liss: zwei Frauen, wie sie unterschiedlicher nicht sein können, begegnen sich zufällig.
Von Anfang an spüren sie eine seltsame Verbundenheit. „Alte Sorten“ ist ein Roman der den Blick auf das Wesentliche lenkt.

Rezension

Liss ist eine starke, verschlossene Frau, die die Arbeiten, die auf ihrem Hof anfallen, problemlos zu meistern scheint.
Sally, kurz vor dem Abitur, will einfach in Ruhe gelassen werden. Sie hasst so ziemlich alles: Angebote, Vorschriften, Regeln, Fragen….und Sally stellt fest,
dass Liss anders ist als andere Erwachsene.
Sally bleibt mehrere Wochen bei Liss auf dem Hof, und während sie zusammen arbeiten, ernten kommen sich die beiden Frauen näher
und erfahren nach und nach von den Verletzungen, die ihnen zugefügt wurden.

Rezension von Grete Fechler

Rezension des Monats Februar 2021

Owens, Delia   Der Gesang der Flusskrebse
hanserblau (2019), 459 Seiten, fest geb., ISBN 978-3-446-26419-9,
ca. 22,00 €
Systematik: SL

Delia Owen versteht es mit ihren Worten Bilder zu malen,
Emotionen wie Einsamkeit, Angst, Neugierde und Liebe erscheinen dem Leser wie die eigenen.

Rezension

1952, North Carolina, eine Zeit in der Rassismus zur Normalität gehört.

Kaya, das Marschmädchen genannt, wird im Alter von 7 Jahren von ihrer Familie verlassen und ist auf sich alleine gestellt. Sie lebt in der Marsch, einer Landschaft vom Tidenhub des Meeres beherrscht. Sie lernt sich zu ernähren, ein wenig Geld kann sie mit dem Verkauf von Muscheln verdienen.

Die Menschen der nahegelegenen Stadt wissen um ihr Alleinsein, aber in deren Augen handelt es sich bei den Bewohnern der Marsch um Lumpenpack, wie die Schwarzen werden auch sie diskriminiert.-

Die wenigen sozialen Kontakte zu anderen Menschen beschränken sich auf Jumpin`, der die Bootstankstelle betreibt, und Tate, einem Freund ihres Bruders. Tate erkennt, dass Kaya Hilfe braucht und bringt ihr das Lesen und Schreiben bei.
Kaya sammelt alles was sie in der Marsch findet und kann nun endlich die Fundstücke nicht nur mit schönen Zeichnungen sondern auch mit Text beschreiben.

Abwechselnd wird in den Kapiteln vom Heranwachsen Kay´s (ab 1952) und die Untersuchung des Todes von Chase Andrews (1969) erzählt.

. . . es gipfelt in einem spannenden Gerichtsdrama!

Rezension von Ulrike Moser